WARUM IST EIN HOCHZEITSFOTOGRAF SO TEUER??

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Hochzeit Dachau Rainer Kirchner

Was der Hochzeitsfotograf kostet ist nicht zwangsläufig die alles entscheidende Frage – sollte es zumindest nicht sein. Die Frage muss lauten: Wessen Fotos gefallen mir? Fotos sind Erinnerungen, die ein Leben lang bleiben. Der Kuchen ist da schon gegessen, das Kleid hängt für alle Zeiten im Schrank, die Party ist vorbei. Einzig die Ringe und die Fotos sind geblieben und erinnern euch an euren großen Tag.

 

Klingt nach Blabla. Sagt schließlich jeder Fotograf. Ist aber die Wahrheit. Aber die Wahrheit ist auch: Eingedenk der Gesamtausgaben einer Hochzeit, die schnell die 10.000er oder 20.000er Marke knacken, scheinen auch weniger gute Fotos plötzlich in ganz anderem Licht. Verständlich.

 

Ich gestatte mir dennoch einmal eine Rechnung aufzumachen, die euch die Preise für einen Fotografen und damit seine Kalkulation nachvollziehen lassen. Denn eines vorab: Die Arbeit eines Hochzeitsfotografen besteht nicht nur aus Herumlaufen und ein bisschen „knipsen“ (Apropos „Herumlaufen“: Bei einer 8-stündigen Hochzeit komme ich auf eine Laufstrecke von zwischen 8 und 10 Kilometern, bepackt mit etwa 15 Kilo Ausrüstung. Das im Hochsommer und in meiner Lederhose. Ich liebe es dennoch ;-)) ).

 

Starten wir unsere Rechnung.

 

Nehmen wir an, ich verlange für eine sechsstündige Hochzeit 1500 €. Das klingt nach exorbitant viel. Schließlich ist das der Netto-Monatsverdienst nicht weniger Menschen in Deutschland. Manche kommen auf noch weniger Einkommen.

 

Von diesen 1500 Euro muss ich die Hälfte für die Steuer zurücklegen. Bleiben für „mich“ 750 Euro. Wir sind nun bei einem Stundensatz von 125 Euro (750 : 6) angelangt. Das hört sich immer noch dekadent an, oder? Leider nicht. Wir müssen da noch einige Stunden einrechnen. Einige viele, um ehrlich zu sein.

 

 

Treffen Vorgespräch

 

30 Minuten Vorbereitung (Unterlagen ausdrucken etc.).

20 Minuten Anfahrt (Benzin, Zeit, Abnutzung Auto).

60 Minuten Beratungsgespräch.

20 Minuten Abfahrt (Benzin, Zeit).

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Summe: 130 Minuten

 

 

Hochzeitsreportage

 

30 Minuten Vorbereitung (Equipment säubern, checken, packen).

30 Minuten Anfahrt (Benzin, Zeit, Abnutzung Auto).

30 Minuten vorher da (Zeit).

6 Stunden fotografieren (Zeit, Abnutzung Equipment).

15 Minuten Equipment zusammenpacken (Zeit).

30 Minuten Abfahrt (Benzin, Zeit, Abnutzung Auto).

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Summe: 8.15 h

 

 

Sichern, Auswahl und Bearbeitung von 2000 Fotos

 

30 Minuten Herunterziehen der Bilder von den SD-Karten und Speichern (45 MB pro Foto) auf dem Rechner (Zeit).

30 Minuten Import der Bilder in die Bildbearbeitungssoftware (Zeit).

2 Stunden Vorauswahl der relevanten Fotos (Zeit).

20 Stunden Bearbeitung von 300 ausgewählten Fotos (Zeit).

1 Stunde Export der Fotos in verschiedenen Größen und Anlegen einer Webgalerie für eure Gäste (Zeit).

30 Minuten Hochladen der Fotos auf euren Account (Zeit, Kosten Onlinespeicher).

 

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Summe: 24.5 Stunden

 

Total: 35 Stunden.

 

Stundenlohn: 21,50 Euro (750:21.50)

 

 

21 Euro Stundenlohn! Das reicht doch! Nein. Immer noch nicht. Da geht noch einiges runter.

 

Davon müssen Berufsversicherungen (Haftpflicht, Equipment), Krankenversicherung, Kammerbeiträge, Verbände, Werbung/Hostingskosten Website, Software und vieles mehr bezahlt werden. Da sind noch nicht all die laufenden Kosten herausgerechnet die jeder hat (Auto, Wohnung, Essen, Strom, Heizung, Benzin).

 

Das Equipment muss finanziert und nötigenfalls ausgetauscht werden. Geht man davon aus, dass ein Kameraverschluss 100.000 Auslösungen aushält, dann reden wir von etwa 3 Jahren Lebensdauer einer Kamera. Eine neue Kamera kostet ab etwa 3500 Euro aufwärts. Und ein Profi hat aus Gründen der Redundanz immer zwei Kameras dabei. Das Equipment (Kameras, Objektive, Stative, Blitze uvm. ) eines Profis bringt es leicht auf einen Wert von 20.000 Euro.

 

Ihr ahnt schon: Das kann bei dem von mir exemplarisch errechneten Stundenlohn nur funktionieren, weil man das Equipment zu einem Teil steuerlich geltend machen kann und die oben summierten Kosten ins Angebot einrechnet.

 

Und noch ein Hinweis: Die Saison währt etwa von etwa April bis Oktober. Fotografiert man ausschließlich Hochzeiten, hat keine anderen Standbeine, dann muss das in der Saison erwirtschaftete Einkommen auch die fünf Monate reichen, da es kaum Hochzeiten zu fotografieren gibt.

 

Schlussfolgerung: Ein Profi kann eine 6-stündigen Hochzeit unmöglich für 1000 Euro oder weniger anbieten. Aber wie wäre es mit einfach mehr arbeiten?

 

Die Antwort ist: Die Zahl der Samstage, zu denen üblicherweise Hochzeiten fotografiert werden können, ist auch begrenzt. 6 Monate x 4 Samstage/Monat = 24 Hochzeiten. Der Fotograf kann seine Auftragslage mit Hochzeiten nur bis zu einem gewissen Maß verbesseren bzw. ausweiten. Das ist übrigens der Grund dafür, dass viele Kollegen in der Hauptsaison erst ab sechs oder acht Stunden fotografische Begleitung anbieten können. Unter der Woche sieht es anders aus. Aber unter der Woche möchte er ja eure Bilder bearbeiten. Die Katze beißt sich in den Schwanz.

 

Jetzt fragt ihr euch, wie all das denn sein kann? Schließlich habt ihr doch genau solche günstigen Angebote eingeholt.

 

Wie diese kalkuliert sind, ist auch mir schleierhaft. Die Erklärung ist in fast allen Fällen, dass der Fotograf das nebenberuflich macht, kein Profi ist oder er an sonstigen Dingen spart.

 

Was ihr euch auf jeden Fall fragen solltet, ist, was der Fotograf eurer Wahl leistet.

 

 

Hat er zwei Kameras dabei (Stichwort Ausfallsicherheit)?

Findet ein Beratungsgespräch statt?

Schließt er mit euch einen Vertrag?

Ist das Angebot ein Pauschalpreis oder gibt es versteckte Kosten, etwa weil ihr nur ein paar Bilder auswählen dürft und dann auch noch für jedes Bild bezahlen müsst?

Wie viele aufwändige Retuschen (nicht nur grundbearbeitete Fotos) sind im Preis enthalten?

 

 

Abschließend: Wählt euren Fotografen nach seinen Arbeiten und Leistungen aus. Liegt das Angebot des einen 400 Euro über dem Angebot des anderen, überlegt, ob er diese Mehrkosten nicht wert ist. Müsst ihr aufs Geld schauen, kontaktiert den teure(re)n Fotografen dennoch. Oftmals kann er die Leistungen etwas reduzieren (sprich weniger Retuschen oder ein größerer Anfahrtsradius). Und ganz oft sind die vermeintlich teuren Kollegen gar nicht teuerer. Sie bieten unterm Strich oftmals mehr Leistung an. Redet mit ihm.

 

Wirklich professionelle Hochzeitsfotografen sind keine Halsabschneider, die euch das Geld aus den Taschen ziehen wollen. Sie sind diejenigen, die euch freundschaftlich und partnerschaftlich vor, während und nach der Hochzeit begleiten und sich erst zufrieden geben, wenn sie euch mit ihren Fotos glücklich gemacht haben und ihren eigenen Ansprüchen gerecht geworden sind. Mit anderen Worten: Sie brennen für ihre Arbeit – so lange sie die (finanzielle) Freiheit dafür haben.

 

 

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